"Ohne Geschenke ist es gar kein richtiges Weihnachten", beschwerte sich Jo, die gemütlich auf dem Teppich lag.
"Ach, arm zu sein ist so furchtbar!" Meg begutachtete seufzend ihr altes Kleid.
"Es ist nicht fair, manche M dchen besitzen so viele sch ne Dinge und wir haben nichts", fügte Amy mit hinzu.
"Aber wir haben doch unsere Eltern und uns!", versuchte Betty, die anderen aufzumuntern.
Für einen Moment erhellten sich die Gesichter der vier Schwestern. Doch sie verdüsterten sich sofort wieder, als Jo traurig meinte: "Vater ist aber nicht bei uns und so schnell wird er auch nicht wieder zurückkommen." Sie sagte nicht "vielleicht nie wieder", aber alle fügten dies in Gedanken hinzu, w hrend sie an den Vater dachten, der weit weg in der N he von Washington an der Kriegsfront war.
Es herrschte bedrücktes Schweigen. Dann riss Meg ihre Schwestern aus den Gedanken: "Ihr wisst, Mutter hat vorgeschlagen auf Weihnachtsgeschenke zu verzichten. Sie meint wir sollten kein Geld für Vergnügen ausgeben, solange es den M nner im Krieg so schlecht geht."
"Jede von uns besitzt genau einen Dollar. Ich glaube nicht, dass der Armee mit vier Dollar geholfen ist. Es macht mir nichts aus, wenn die Eltern oder ihr mir nichts schenkt, aber ich m chte mir selber so gerne "Undine und Sintram" kaufen. Ich wünsche es mir schon ewig", sagte Jo, die ein richtiger Bücherwurm war.
Die Schwestern begannen darüber zu diskutieren, was sie sich von ihrem Dollar gerne kaufen würden. Betty wünschte sich neue Klaviernoten und Amy brauchte dringend neue Zeichenstifte. Meg jammerte: "Wir haben für unser Geld wirklich schwer gearbeitet. Besonders ich. Den ganzen Tag muss ich die schrecklichen Kinder der Familie King unterrichten."
Nun versuchte jede, die andere davon zu überzeugen, wie schlecht es ihr ginge und wie sehr sie es verdient h tte, sich etwas Sch nes zu leisten. Jo, die den ganzen Tag bei Tante March verbrachte, einer überaus reizbaren und meckernden alten Person. Betty, die Abspülen und Putzen für die unerfreulichste Arbeit auf der Welt hielt und sich sicher war, davon so steife Finger zu bekommen, dass sie nicht mehr richtig Klavier spielen k nne.
"Ich wette, keiner von euch leidet so schlimm wie ich", schluchzte Amy. "Ihr müsst nicht mit solch arroganten Ziegen zur Schule gehen, die euch wegen eurer Kleider auslachen, eure Nase verunglimmern und Vater als armen Schlucker etikettieren."
"Verunglimpfen, Amy", belehrte Jo das jüngste Mitglied der March-Familie lauthals lachend. "Und "etikettieren" klingt, als w re Vater ein Gurkenglas!"
"Du brauchst dich gar nicht über mich lustig zu machen", erwiderte Amy beleidigt. "Es ist schicklich, sich gew hlt auszudrücken und den eigenen Wortschatz zu erweitern."
"Streitet nicht!", ergriff Meg das Wort. "Doch wünschte ich auch, wir h tten noch all das Geld, das Vater früher besa - wie glücklich k nnten wir ohne Geldsorgen sein", grübelte sie. Noch lebhaft konnte sie, als die lteste sich an bessere Zeiten erinnern.
"Ich meine, obwohl wir schwer arbeiten, haben wir doch jede Menge Spa miteinander und sind eine echte Rasselbande, wie Jo sagen würde", warf Betty ein.
"Jo verwendet immer einen solchen Stra enjargon!", beschwerte sich Amy mit herablassendem Blick auf ihre schlaksige Schwester.